Wer wir sind: missionarisch
Damals
Einfach ist es bestimmt für niemanden, die Heimat zu verlassen und in fremde Länder aufzubrechen. Und für eine Frau um die Wende zum 20. Jahrhundert erst recht nicht. Denn Frauen sind zu dieser Zeit von einem selbstbestimmten Leben noch weit entfernt: Ihr Wirkungskreis ist in der Regel auf Küche und Kinder beschränkt. Vom öffentlichen Vereinsleben sind sie noch ausgeschlossen, das Wahlrecht bekommen sie erst 1918, und auch den uneingeschränkten Zugang zu Universitäten erhalten sie erst nach und nach.
Es gehören also schon eine Portion Mut, eine Menge Neugier und etwas Abenteuerlust dazu, dem Evangelium zu folgen,
„Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ (Mt 28,18-20)
und damit dem vorbestimmten Lebensentwurf als Ehefrau und Mutter eine Absage zu erteilen und in einen missionarischen Orden einzutreten. Um so erstaunlicher ist es, dass sich viele Frauen von dem neuen Orden in Hiltrup angesprochen fühlen. Denn ihnen allen muss bewusst gewesen sein, dass der Aufbruch in die Fremde mit Entbehrungen einhergehen wird: mit der Trennung von der Heimat, die man möglicherweise nie mehr wiedersehen wird; mit einem Leben in einer gänzlich unbekannten Kultur; und mit klimatischen Bedingungen, die die Gesundheit arg strapazieren.
Dennoch sind diese mutigen Frauen, die als erste Missionarinnen von Hiltrup aus in die Südsee aufbrechen, auch Kinder ihrer Zeit. Das heißt: Viele von ihnen sind überzeugt, dass sie gesandt werden, um die Ungläubigen zu bekehren und den unzivilisierten Heiden das Licht der Welt zu bringen.
Heute
Kaum ein Begriff hat einen so radikalen Bedeutungswandel erfahren wie das Wort Mission. Heute verstehen wir Mission nicht mehr als Exportartikel, den wir unaufgefordert in bestimmte „unterentwickelte“ Gebiete senden, um dort den Ungläubigen unsere westliche Kultur zu bringen und sie zu unserem Glauben als dem einzig wahren zu bekehren.
Mission in unserem gegenwärtigen Verständnis respektiert nicht nur das Anderssein des Anderen, sondern lässt sich von ihm auch bereichern. Mission ist für uns heute nicht mehr eine Frage der Geographie, sondern sie ist Kontinente umspannend und findet überall dort statt, wo Menschen durch ihr Leben ein Glaubenszeugnis ablegen – offen, ehrlich, authentisch und lernbereit. Das kann in Namibia, Korea oder Australien sein ebenso wie in Hiltrup, Duisburg und Oeventrop.
Oder, wie es in unseren Konstitutionen heißt:
Wir verkünden Gottes Liebe- durch unseren Dienst bei denen, die Christus und seine Kirche noch nicht kennen
- im Gespräch mit denen, die den Glauben verloren haben
- und im Bemühen um die Stärkung des Glaubens der mit uns Glaubenden.
Um die Gedanken und Herzen der Menschen zu erreichen, müssen wir ihre Sprache sprechen, ihre soziale, kulturelle, religiöse und ökonomische Wirklichkeit kennen und verstehen. So wie es damals Mut erforderte, in fremde Länder aufzubrechen, so brauchen wir auch heute Mut, uns fremden Lebenswirklichkeiten anzunähern und uns auf sie einzulassen. Das kann die Frau sein, die Opfer von Menschenhandel wurde und nun als Prostituierte anschaffen muss. Das kann die muslimische Familie aus dem sozialen Brennpunkt sein. Das kann der gebrechliche und kranke Mensch in unseren Altenheimen und Hospitälern sein. Und das kann der Nachbar von nebenan sein.
Heute wie damals gilt: Wir möchten in unserem Denken, Fühlen und Handeln und in allen Begegnungen mit den Menschen einen Glauben bezeugen, der etwas davon aufscheinen lässt, was das Evangelium für uns ist: eine inspirierende, befreiende und verändernde Kraft.











