Verbindlich: Sr. Josefia
Verbindlich ist für mich das Angebot und die Zusage unseres Engagements:
Zeige, dass Gott ein Herz für die Menschen hat!
Als Verantwortliche für die wirtschaftlichen Belange der Ordensgemeinschaft werde ich nicht selten von dieser Eigenschaft herausgefordert.
Im Sog der Gepflogenheiten des allgemeinen Geschäftslebens in unserer Gesellschaft sind die Konturen Redlichkeit und Vertrauen nicht immer klar erkennbar. Es ist nicht nur eine Frage fachlicher Qualifikation, die Balance zu halten zwischen dem, was sachlich geboten scheint, und dem, was menschlich vertretbar ist. Im Bemühen, die gebotene Ausgewogenheit zu erreichen, ist eine bewusste Reflexion auf den Wert zwischenmenschlicher Zuverlässigkeit unerlässlich.
Am Beispiel der Sorgfaltspflicht des Dienstgebers gegenüber Mitarbeitern wird es sehr praktisch: In Zeiten knapper Mittel gerät der Dienstgeber nicht selten in Zielkonflikte. Einerseits ist es äußerst schwierig, die stabile wirtschaftliche Lage sozialer Einrichtungen angesichts wachsender Qualitätsanforderungen und steigender Personalkosten zu gewährleisten, andererseits hat der Dienstnehmer einen Anspruch auf leistungsgerechten Lohn und einen sicheren Arbeitsplatz. Wenngleich es tariflich legale Wege gibt, die Last durch Lohnkürzungen ein Stück auf den Mitarbeitenden zu verlagern, bleibt die Herausforderung an den Dienstgeber, sich verantwortlich mit der Frage auseinanderzusetzen: Wann darf das geschehen und wann nicht?
Diese Frage kann für mich nur gemeinsam mit den Betroffenen bearbeitet werden. Der Mitarbeitende muss sich darauf verlassen können, dass vom Dienstgeber in Offenheit und Ehrlichkeit betriebliche Probleme transparent gemacht werden. Bei der Suche nach einer gemeinsamen Lösung muss abgewogen werden. Dabei werden die Gewichte unternehmerische Verantwortung und Sorgfaltspflicht gegenüber den Mitarbeitern einerseits und Loyalität, Mitverantwortung und Mitbestimmung andererseits in die Waagschalen zu legen sein.
Nach meiner Erfahrung bedürfen besonders Menschen, die beruflich mit Finanz- und Wirtschaftsfragen zu tun haben, einer geistigen und geistlichen Grundhaltung, damit sie in ihrem Umfeld den Mangel an ethischen Werten erkennen können.
In meinem eingeschränkten Betätigungsfeld fühle ich mich gegenüber der Spiritualität meiner Gemeinschaft verpflichtet und bemühe mich, wo immer sich die Gelegenheit bietet, Klarheit, Zuverlässigkeit und Vertrauen erfahrbar zu machen. Ich vertraue dabei auf das Herz Gottes und hoffe, dass mein Beitrag ein wenig mehr an Gerechtigkeit, Lebensqualität und Lebensfreude unter die Menschen bringen möge.
Schwester Josefia, msc, Provinzökonomin









