„Anders sein. Außenseiter in der Geschichte“

Eine Novelle von Marta Menninghaus: „Möchte mithelfen an der Bekehrung der armen Heidenkinder und dadurch meine eigene Seele retten“

Ein Beitrag im Rahmen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten 2014/15 zum Thema „Anders sein. Außenseiter in der Geschichte“  Eine Novelle von Marta Menninghaus, 13 Jahre alt. Über die Mission der Schwestern vom Heiligsten Herzen Jesu von Hiltrup im Papua Neuguinea der Kolonialzeit, eine große Vision, sehr unterschiedliche Weltsichten, vielschichtige Facetten des „Anders seins“ und über eine schreckliche Tragödie.

So begann alles am 13.November 2014

Sehr geehrte Hiltruper Missionsschwestern,
mein Name ist Marta Menninghaus, ich bin 13 Jahre alt und würde mich sehr gerne mit Ihnen treffen. Anlässlich des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten „Anders sein. Außenseiter in der Geschichte“ möchte ich meine Arbeit den Missionsschwestern widmen, die 1904 im Bismarck Archipel ermordet wurden.
Es ist schon über 100 Jahre her, dass sich 10 von euch Ordensschwestern auf den Weg gemacht haben, euren Glauben, Religion und Unterstützung in die Welt zu tragen. Sie starben aufgrund eines tragischen Mordes.
Mit Gelassenheit und Mut haben sie das getan, über diese faszinierende Gelassenheit und diesen heldenhaften Mut möchte ich schreiben.
Es würde mich sehr freuen wenn Sie mir antworten würden.
Mit freundlichen Grüßen,

Marta Menninghaus.

 .... heute hat Marta ganze 63 Seiten geschrieben, ihre Arbeit wurde von der Schule, dem Annette-von-Droste-Hülshoff Gymnasium schon mit eins plus bewertet, die Arbeit war im Rathaus Münster ausgestellt, sie steht auf der Liste der ersten Plätze für den Wettbewerb des Landes Nordrhein Westfalen. Im November steht die Auswahl für den Bundeswettbewerb an.

Eines ist sicher, die Arbeit ist ganz hervorragend und total interessant geschrieben. Wir Missionsschwestern freuen uns sehr über das starke Engagement von Marta, all das Studieren der Briefe und Dokumente aus dem Archiv. Und dann dieses Talent des interessanten Schreibens. Vielen Dank, Marta! Unseren Wettbewerb hast Du schon gewonnen!!

Hier eine Leseprobe, bis die ganze Arbeit veröffentlicht werden kann:

"Der Fleck ist grau.

Der Fleck ist schön. Um diesen Fleck laufen Füße, Füße kreuz und quer durcheinander. Sie sind allesamt verschieden und trotzdem gehören sie hierher. Sie gehören zum Fleck. Falls ihr euch jetzt wundert, euch fragt, warum ich einen Fleck beschreibe, dann hört gut zu. Bleibt und lest diese Geschichte. Denn dieser Fleck ist nichts Weiteres als Asphalt.

Ich weiß nicht genau wie er mir aufgefallen ist, er war einfach da. Ein Stück Asphalt, ein Fleck, auf dem keine Menschen laufen. In Anbetracht der Tatsache, dass ich auf einem stark belebten Bahnhof stehe ist es schon merkwürdig, denn es scheint so als würden die Menschen den Fleck meiden. Damit ihr euch diesen Fleck besser vorstellen könnt, versuche ich ihn jetzt zu beschreiben. Wobei es gar nicht mal viel zu beschreiben gibt. Der Fleck ist in etwa so groß wie ein Fahrradreifen. Entschuldigt die ungenaue Bezeichnung, aber wenn ihr versuchen müsstet einen Fleck zu beschreiben, würdet ihr mich verstehen. Außerdem ist der Fleck rund, aber nicht kreisrund, nicht gleichmäßig rund. Er ist kein Kreis sondern eben ein Fleck.

„Anna! Schwester Anna!!“ Eine Stimme weckt mich aus meinen Tagträumen und ich werde brutal in die Gegenwart zurückgeschleudert. Ich halte Ausschau nach der Person, die mich gerufen hat und sehe Schwester Agnes. „Was gibt es?“ , frage ich sie, noch immer etwas benommen. „Sie hat schon wieder bis zum Hals in ihren Träumen gesteckt, was machen wir nur mit ihr?“ Schwester Agnes blickt zu der Frau die neben ihr steht. Auch sie ist in einen langen schwarzen Mantel gehüllt. Schwester Juliana. „Das hab ich mich auch schon gefragt. Möge der Herr uns helfen“, sagte sie nun und schaute belustigt zu Schwester Agnes. In ihrer Stimme schwingt keine Missgunst mit, sie machte nur Spaß. Trotzdem schaue ich sie gespielt empört an. Die beiden müssen lachen. Ich mag Schwester Agnes und Schwester Juliana. Ich kann mich gut mit ihnen unterhalten, eine Verbindung eingehen. Das mag jetzt vielleicht komisch klingen, aber das ist etwas besonderes für mich. Sie sind etwas Besonderes. „Der Zug fährt gleich ab, beeilt euch lieber. Salzburg lässt man nicht ungestraft warten“, sagt Agnes jetzt. Ein Schauer durchfährt mich. Vorfreude. Abenteuerlust. Oder doch eher Nervosität? Unser Kloster hat uns Musik geschickt, sodass das laute und fröhliche Geräusch von Trompeten zu vernehmen ist. Die Musik gibt mir Entschlossenheit, ich atme einmal tief durch. Dann folge ich Schwester Agnes und Schwester Juliana, welche auf die Anderen zusteuern. Die „Anderen“ sind Schwester Theresia, Schwester Elisabeth, Schwester Clara und Schwester Franziska, unsere von allen geliebte Oberin. Und dann ist da noch Pater Theodor Lotter, unser Direktor des Scholastikats, er betreut die Reise nach Salzburg. Wir stehen in einem Kreis zusammen, unser Gepäck neben uns, alles ist bereit. Von unseren Familien haben wir uns bereits verabschiedet. Ich blicke in die Runde und erkenne, dass sich viele meiner Gefühle in den Augen meiner Mitschwestern wiederspiegeln. Wohin führt diese Reise? „Seid ihr bereit?“, fragt Pater Theodor in die Runde.

Und dann steigen wir in den Zug ein. Noch einmal gucke ich zurück. Zurück zum Fleck. Er ist noch immer da, grau und schön. Und umso weiter wir fahren, desto kleiner wird er."

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