Indien: Schlichtweg unbeschreiblich und facettenreich. Julias Fazit nach einem Jahr in Indien

Ich habe mich in meinen Rundbriefen ja schon öfter darüber beschwert, dass die Zeit zu schnell vergehe, nichtsdestotrotz muss ich doch noch einmal darauf zurückkommen, denn nächsten Monat um diese Zeit werde ich nicht nur bereits wieder in Deutschland sein, was mich momentan nicht unbedingt glücklich stimmt, nein, die nächsten Freiwilligen werden bereits im Care Home angekommen sein. Da Christian und Simone bereits gegangen sind und unsere eigene Abreise deshalb in Form eines leeren Bettes in unserem ehemaligen Dreierzimmer vor uns steht, kann ich aber leider auch nicht mehr so tun, als ob noch mehr als genug Zeit verbleibe und als sei dieser Rundbrief nicht der letzte.
Es ist und bleibt erstaunlich, wie schnell sich elf Monate in gerade einmal zwei Wochen verwandeln. Ansonsten nimmt das Leben hier im Care Home seinen gewohnten Lauf, seit Anfang dieses Monats hat die Schule wieder angefangen und
unser Tagesablauf hat wieder die gleiche, regelmäßige Struktur wie bereits vor den Ferien, allerdings haben Lena und ich je ein paar Klassen mehr als zuvor, da wir nun auch für Christian und Simone einspringen; bis vor Kurzem haben wir aber nur wenig unterrichtet, da eine Gruppe aus dem UK mit rund 20 Freiwilligen für knapp zwei Wochen hier war und alle Klassen deshalb mit mindestens drei Leuten besetzt waren. Das kam uns jedoch ganz gelegen, denn so konnten Christian, Lena, Simone und ich die freie Zeit dafür verwenden, die erste Fuhre unserer Abschiedsgeschenke für die Kinder vorzubereiten, was bei knapp 100 Fotokarten, die natürlich alle noch mit bunten Glitzersteinchen verziert werden mussten, doch recht lange dauern kann! So sind wir jedenfalls rechtzeitig fertig geworden und haben die Karten mittlerweile auch schon verteilt, schließlich wollten Simone und Christian bei der Übergabe verständlicherweise dabei sein.
An der zweiten Fuhre Geschenke allerdings arbeiten Lena und ich momentan noch fleißig: Wir flechten Freundschaftsarmbänder in Indien- und Deutschlandfarben für die Kinder und, sofern wir noch genug Wolle übrig haben
– die wir extra aus Deutschland haben kommen lassen, da wir hier keine finden konnten – auch für die Mitarbeiter. Das ist zwar ziemliche Kleinarbeit, nimmt jedoch weniger Zeit in Anspruch, als ich zu nächst befürchtet hatte, trotzdem werden wir mit 100 bis 120 Armbändern wohl doch noch ein wenig beschäftigt sein.
Außerdem haben wir bereits unsere ersten Verabschiedungen hinter uns: Ende Mai wurden ein paar unserer Ältesten ins Snehagram nach Tamil Nadu geschickt, ein Arrangement, über welches jedoch zunächst niemand so wirklich glücklich war, denn wir hätten die Kinder gerne noch ein bisschen bei uns behalten und da den Kindern oftmals gesagt wird, im Snehagram müssten sie erwachsen werden, dort beginne schließlich der Ernst des Lebens, war von neun niemand dabei, der sich auf den Umzug freute. Inzwischen haben sich unsere Kids dennoch recht gut eingelebt, vor allem da einige von ihnen bereits ältere Geschwister bzw. Freunde haben, die schon länger im Snehagram sind.
Frei nach dem Motto „Out with the old, and in with the new!“, haben wir natürlich auch einige neue Kinder dazu bekommen, da die meisten von ihnen allerdings kaum Englisch verstehen, unterweist sich das Unterrichten,insbesondere in der jüngsten Klasse, manchmal durchaus als schwierig, denn mein Kannada lässt eindeutig zu wünschen übrig und reicht leider nicht weit über einige wenig komplizierte Sätze hinaus.
Das Ende meines MaZ-Jahres scheint mit dem Ende meiner Worte zusammenzufallen, denn ich weiß echt nicht mehr, was ich noch sagen soll. Vielleicht sollte ich noch eine Art Zusammenfassung meiner Zeit als abschließendes Fazit hinzufügen, jedoch bezweifle ich, dass ich dazu in der Lage bin, denn mein Jahr in Indien war (und so lange ich es noch sagen kann: ist!) schlichtweg unbeschreiblich und viel zu facettenreich, als dass ich es mit wenigen Worten schildern könnte.
In diesem Sinne,
Alles, alles Liebe und wir sehen uns in Deutschland!
Julia

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