Indien: Andrea besucht Familien in einem Slum von Bangalore

Auf der Arbeit haben wir zur Zeit freie Plätze für Menschen mit Behinderungen, die wochentags von 9:00–17:00 Uhr kommen könnten. Da es in Indien nicht ein zentrales Amt gibt wo Menschen mit besonderen Bedürfnissen registriert werden oder auch viele nicht registriert sind. Bin ich mit
einer Arbeitskollegin in ein Slum gegangen, um dort Menschen zu finden, die hier an die Organisation angebunden werden können. In Bangalore gibt es ungefähr 1000 Slums, viele Slums werden zurzeit vertrieben um an diese Plätze riesige Wohnkomplexe
zu bauen. Viele der Bewohner in den Slums, kamen in diese Stadt da sie sich erhofft haben hier in der Stadt eine Arbeit zu finden, da teilweise ihre Arbeit aufgrund von Wassermangel in den kleineren Städten oder Dörfern nicht mehr möglich ist oder sie von
dem Wachstum in dieser Stadt mitbekommen haben und jetzt z.B. als Hilfsarbeiter teilweise und zeitweise ihr Geld verdienen.
Wir gehen immer zu zweit in die Slums und mir wurde auch gesagt, dass die Menschen teilweise sehr vorsichtig oder skeptisch gegenüber Menschen sind die nicht dort wohnen. Da einige Menschen in die Slums gehen um vor allem Kinder von dort für andere Zwecke zu verkaufen z.B. für Prostitution, Organhandel, als Arbeitskraft in verschiedenen Bereichen. Es wird auch immer wieder bekannt, dass sich teilweise die Menschen die dort hingehen, sich als Mitarbeiter einer NGO ausgeben umso das Vertrauen der Menschen zu
gewinnen. Daher ist die Skepsis der Bewohner nur mehr als gerechtfertigt. Daher hatte ich auch bedenken, ob mein Chef mich mitgehen lässt, da ich aufgrund meiner Hautfarbe ja doch nochmal mehr Aufmerksamkeit auf mich und uns ziehe.
Jedenfalls hat er zugestimmt und so sind wir losgezogen. Auf der Straße haben wir einenMann entdeckt, der vor einer Metzgerei Tee getrunken hat und Trisomie 21 hat. Wir sprachen ihn an und haben auch mit den Menschen in der Metzgerei gesprochen, diese
meinten er würde häufig zum Tee trinken vorbei kommen, ansonsten wäre er nutzlos und kann nichts. Darauf hat der Mann nur gesagt, ihr könnt ja scheinbar auch nichts, sonst würdet ihr arbeiten und nicht nur Sachen erzählen. Daraufhin haben die Männer aufgehört
über ihn zu reden. Der Mann hat uns durch teilweise verwinkelte Straßen zum Haus seiner Schwester geführt. Diese lebt mit ihm zusammen und kümmert sich um ihn. Am Haus angekommen, sprachen uns seine Nachbarn an und teilten uns mit das die Schwester
tagsüber arbeiten ist und wir um mit ihr sprechen zu können, besser abends wieder kommen sollten. Jedoch konnten uns die Nachbarn auch viel erzählen und haben auch schon von dieser Einrichtung gehört. Sie haben uns auch erzählt, dass der Vater vor einigen Jahrengestorben ist und die Mutter mit einem Schlaganfall in einem anderen Haus von einer weiteren Schwester lebt. Nach dem Gespräch hat uns der Mann zu dem Haus Mutter geführt, hier trafen wir auf eine Frau die eine Halbseitenlähmung hat und die seither auch nicht mehr sprechen kann. Als meine Kollegin erklärte wer wir sind und was wir für eine Idee haben, war diese sichtlich gerührt und brach in Tränen aus. Hierbei hat sich ihr Sohn sehr liebevoll gekümmert, sie getröstet und immer wieder gesagt weine nicht wegen mir. Dies warein sehr bewegender Augenblick. Er hat dann auch erzählt, dass er ihr den ganzen Tag über viel hilft z.B. beim essen und trinken. Nun werden wir in ein paar Tagen nochmal den Mann besuchen, um dann auch mit der Schwester zu sprechen. Wir können ihm auf jeden Fall anbieten, erst mal vorbei zu kommen um sich die Einrichtung anzuschauen und dann auch zu entscheiden ob er kommen möchte. Wir haben noch einige andere Menschen getroffen mit bewegenden Geschichten. Diese möchte ich hier jedoch nicht veröffentlichen.
Ich freue mich auch immer über Nachrichten eurerseits, vielleicht mit Fragen oder um zuerfahren was bei euch aktuell so geschieht.Beste Grüße Andrea

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