Peru: Felis 2. Rundbrief nach neun Monaten

Hallo ihr Lieben,
es ist wieder so viel Zeit vergangen, fast unglaubliche neun Monate lebe und arbeite ich nun Peru – höchste Zeit für den zweiten Rundbrief.
Das letzte Mal, als ihr von mir gehört habt, war ich gerade erst drei Monate hier, alles war noch neu und ungewohnt. Mittlerweile ist vieles zum Alltag geworden, was nach der ersten intensiven und manchmal anstrengenden Eingewöhnungszeit auch mal ganz angenehm ist. Und dennoch lerne ich jeden Monat so viel Neues kennen und das Gefühl, welches ich hier habe
entwickelt sich beständig weiter, so dass kein Monat wie der andere ist. Mein letzter Rundbrief endete mit meinem Geburtstag im November, da möchte ich gerne wieder einsteigen.
 
Peruanische Weihnacht
 
Die Weihnachtsstimmung ließ letztes Jahr ein wenig auf sich warten. Vielleicht lag das auch an den beständigen 25 Grad, die nicht so wirklich zu meiner Vorstellung von Weihnachten passen wollten. Später habe ich gehört, dass die Temperaturen in Deutschland angeblich ähnlich gewesen sein sollen ;). Es war das erste Weihnachtsfest, welches ich nicht zuhause mit meiner Familie verbracht habe. Der Gedanke hat mir anfangs etwas Angst gemacht. Doch dann war mein peruanisches Weihnachten zwar auch mit etwas Heimweh verbunden, aber trotzdem unerwartet schön und einmalig. Auch die Vorweihnachtszeit blieb mir sehr eindrücklich im Gedächtnis. Es gab zahlreiche Weihnachtsfeiern der Frauenhäuser. Dort musste jeder Kurs etwas vorführen, somit auch meine Englisch-Kurse. Wir haben zusammen die Lieder „We wish you a Merry Christmas“ und „Jingle
Bells“ eingeübt und aufgeführt, was meinen Schülerinnen und mir großen Spaß gemacht hat. Später mussten auch Maria, zwei andere deutsche Volontärinnen und ich noch ein deutsches Weihnachtslied singen, was für das Publikum ebenso lustig war wie für uns. Bei jeder Weihnachtsfeier gab es selbstgebackenen Paneton. Ein spezieller Kuchen mit Rosinen, der immer an Weihnachten gebacken wird – sehr lecker! Dazu gab es eine heiße Schokolade, was bei den Temperaturen dann doch etwas befremdlich ist. Ein nordamerikanischer Einfluss, dem nicht wenige kritisch gegenüber stehen. Ähnliche Absurditäten waren auch bei Plaza Norte, eine große Einkaufsmall, zu beobachten: Dort wurde eine riesige Eishalle aufgebaut in der man, mitten im
Sommer, Eis laufen konnte. An Heiligabend waren Maria und ich bei Mary und ihrer Familie eingeladen. Zu dem Zeitpunkt
kannten wir Mary und ihre Familie gerade einmal zwei Monate. Auch Anna, eine andere Freundin, hatte uns zu sich eingeladen. Sogar eine meiner Englisch-Schülerinnen hatte mich gefragt ob ich mit ihrer Familie Weihnachten feiern möchte. Eine solche Offenheit ist mir in Deutschland selten begegnet. Gerade an Weihnachten hatte ich in Deutschland meistens den Eindruck, dass die Familien unter sich bleiben wollen. Anders habe ich es hier erlebt: Sogar in der Kirche gab es noch spontane Einladungen zum Weihnachtsessen. An Heiligabend sind Maria und ich dann abends gemeinsam in die Kirche gegangen, dort haben wir Mary und ihre Familie getroffen. Die Christmesse war fröhlich, es wurde viel gesungen, begleitet vom Chor, der jeden Sonntag singt. Der Priester hat seine Predigt nicht von der Kanzel aus gehalten, sondern hat sich vor die Bänke gestellt und frei gepredigt. Außerdem wurden die Gemeindemitglieder noch durch Fragen während der Predigt mit einbezogen.
Nach der Messe sind wir mit Marys Familie nach Hause gegangen. Dort haben wir gemeinsam Geschenke ausgepackt und wir haben sogar auch etwas geschenkt bekommen. Anders als in Deutschland gibt es nicht nur an Silvester große Feuerwerke, sondern auch an Weihnachten, Patronatsfesten, Geburtstagen usw. Um 12 Uhr versammelten sich alle vor ihren Häusern um dort alle Arten von Feuerwerkskörpern in den Himmel zu jagen.
Danach haben wir gemeinsam gegessen: Es gab Truthahn, mit Reis und Salat. Wir saßen abends noch lange zusammen und haben geredet, später haben wir dann auch bei Mary geschlafen. Obwohl mir das gemütliche Zusammensein mit meiner Familie um die Feiertage wirklich gefehlt hat, war es dennoch ein ganz besonderes Weihnachtsfest, voller Gastfreundschaft und Offenheit, sodass es mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Zu dem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl immer mehr anzukommen in Lima, meine Englisch-Kurse bereiteten mir nach wie vor Spaß und ich hatte das Gefühl mich immer mehr zuhause zu fühlen.
 
Zwei Monate in Trujillo
 
Im neuen Jahr hatten wir die Möglichkeit für zwei Monate (Januar und Februar) in der Nähe von Trujillo in dem Kinderferien-Pogramm „Rebini“ zu arbeiten. Diese Kinderferienfreizeit findet etwa eine dreiviertel Stunde außerhalb von Trujillo, in dem Dorf
Petregal, statt. Dort befindet sich ein großes Haus mit vielen Mehrbettzimmern, Essenssaal und Gemeinschaftsräumen. Es gibt außerdem einen großen Garten, viel Grün umgeben von Bergen, einen Spielplatz, ein Fußball- und Volleyballfeld und sogar ein Schwimmbad, welches natürlich das Highlight des Tages für die Kids ist. Gerade die Natur war ein schöner Kontrast zur hektischen Großstadt Lima. Im „Rebini-Haus“ haben wir während der Freizeit von Montag bis Samstag geschlafen. Die
restlichen Tage konnten wir in der Gemeinde San Pablo in Trujillo schlafen, die auch das Rebini-Pogramm organisiert.
Der Bau des Hauses wurde von den Sternsingern finanziert, das finde ich wirklich toll: Eine Hilfe von Kindern für Kinder! Mittlerweile beschränkt sich die finanzielle Hilfe aus dem Ausland jedoch auf ein Minimum. „Rebini“ erhält die meisten Spenden aus den verschiedenen Gemeinden Trujillos. Das Programm wendet sich vor allem an Kinder, deren Familien es sich normalerweise nie leisten könnten in den Urlaub zu fahren. Die ganze Arbeit läuft ehrenamtlich. Jede Woche kam eine andere Gemeinde aus Trujillo, welche ihre Kinder und Betreuer mitbrachte. Die Größe der Gruppen variierte stark von Woche zu Woche von 30 bis hin zu 80 Kindern. Organisiert und betreut wird „Rebini“ durch eine Gruppe aus jugendlichen Freiwilligen der
Gemeinde San Pablo in Trujillo. Sie haben im Vorfeld das Programm ausgearbeitet und während der Freizeit nennt sich diese Gruppe der „Staff“. Sie kümmerten sich um z. B. um alle Bastelmaterialien oder halfen als Betreuer oder in der Küche aus.
Die meiste Zeit habe ich im „Staff“ gearbeitet. Einmal musste ich auch in der Küche und als Betreuerin aushelfen. Zwei Betreuer sind immer für eine Kleingruppe von ca. acht Kindern zuständig. Die Woche als Betreuerin war ganz schön anstrengend, da wir rund um die Uhr mit den Kindern unterwegs waren und auch bei ihnen im Zimmer geschlafen haben. Jeden Abend gab es dann noch eine Reunion, bei der der Tag noch einmal reflektiert und Dinge besprochen wurden, die
es evtl. noch zu verbessern gab. In einer der abendlichen Reunionen ist ein Satz gefallen, der für mich „Rebini“ sehr gut beschreibt: „El trabajo es con los ninos, por los ninos y para los ninos“ (Die Arbeit ist mit den Kindern, wegen der Kinder und für die Kinder). Das wurde auch immer wieder im Umgang mit den Kindern deutlich, dass die Kinder und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt standen.
Zu Beginn des Programms gibt es einen kleinen Sketch, in dem das außerirdische Mädchen „Rebini“ aus „Rebinilandia“ auf die Erde kommt. Am Anfang versteht „Rebini“ immer genau das Gegenteil, von dem was man ihr sagt, später wird sie jedoch mittels eines Chips umprogrammiert, sodass sie die Menschen verstehen kann. Das war immer sehr witzig, die kleineren Kinder waren bis zum Schluss davon überzeugt das „Rebini“ aus „Rebinilandia“ auf die Erde geflogen kam, den
Älteren hingegen kamen da schon früher einige Zweifel. Rebini, nach der das Ferienprogramm schließlich benannt ist, führt zusammen mit ihrem Vogel Aspi, einer Kasperle-Handpuppe, durch das ganze Programm. Jeden Tag stellen Rebini und Aspi verschiedene Themen aus der Bibel vor, dazu werden dann passend verschiedene Dinge gebastelt. Jeden Tag wurden viele Dynamicas gemacht, sehr viel getanzt oder draußen Fußball oder Volleyball gespielt. Das Highlight des Tages war natürlich das Schwimmbad, für die meisten war es der erste Schwimmbad-Besuch ihres Lebens. Nicht alle hatten Badekleidung, also wurde mit T-Shirts und kurzen Stoffhosen improvisiert. Gemeinsam wurde mit Wasserbällen im kühlen Nass getobt, wobei
auch die meisten Betreuer auf ihre Kosten kamen.
Außerdem gab es jeden Tag noch einen besonderen Programmpunkt: Es wurde zum Beispiel ein Abend „Die Nacht der Talente“ veranstaltet. Jedes Zimmer bildete ganz zu Beginn schon eine Gruppe, jede Gruppe wurde einem Tier zugeordnet: So gab es z. B. die Frosch-Gruppe, die Katzen-Gruppe usw. In der „Nacht der Talente“ stellt jede Gruppe ihr Talent vor, das können Gesangseinlagen, Sketche oder Tanzaufführungen sein. Die meisten Gruppen haben getanzt. Es war echt beeindruckend, wie gut selbst die kleinsten Kinder der Freizeit schon tanzen konnten. Am vorletzten Tag wurden „Carnevales“ veranstaltet. Hierzu wurden die Gruppen neu gemischt. Dort konnten sich die Kinder dann z. B. im Sackhüpfen und anderen Spielen messen. Außerdem gab es immer eine große Wasserschlacht, sodass ich jeden Freitag komplett durchnässt war.
Obwohl mir das Programm so gut gefallen hat und ich die ganze Zeit von wirklich tollen Menschen umgeben war, ist mir der Anfang in Trujillo nicht leicht gefallen. Ich hatte, wie oben beschrieben, gerade das Gefühl entwickelt immer mehr in Lima anzukommen und hatte somit das Gefühl aus meinem gewohntem Umfeld herausgerissen zu werden und in Trujillo wieder bei Null anfangen zu müssen.
Dieses Gefühl wurde mit der Zeit zum Glück immer kleiner und nun möchte ich diese Zeit auf keinen Fall missen, in der ich Teil dieses großartigen Sommerprogramms sein durfte, neue Freunde gewonnen habe und ganz nebenbei sich mein Spanisch um Längen verbessert hat, da ich rund um die Uhr Spanisch reden musste und außerdem mit Gleichaltrigen zusammengearbeitet habe, wobei auch leichter Freundschaften entstanden. Außerdem war es noch einmal eine neue Erfahrung wirklich im Projekt mitzuleben, was ich als sehr intensiv, manchmal aber auch als anstrengend empfunden habe. Zwar musste ich auf einen Großteil meiner Privatsphäre verzichten, auf der anderen Seite gab es mir das Gefühl ein wirklicher Teil des Projekts zu sein, was ein sehr schönes und verbindendes Gefühl war. Nachdem „Rebini“ offiziell beendet war, gab es noch ein Nachtreffen in Petregal mit allen Betreuern und Mitgliedern des „Staff“. Dort haben wir über die Zeit noch einmal Revue passieren lassen und gemeinsam überlegt wie man „Rebini“ in der Zukunft weiterentwickeln könnte. Abends haben wir dann mit allen zusammen Karneval gefeiert, ein Erlebnis, das mir definitiv im Gedächtnis bleiben wird. Karneval wird nämlich in Lateinamerika etwas anders gefeiert: Draußen im Garten wurde ein Baum mit Luftballons und Geschenken geschmückt. Abends wurde dann um
den Baum getanzt, nach und nach wurde ein Schwert weitergereicht, mit dem man in den Baum hacken musste. Das ging so lang bis der Baum gefällt war und die Geschenke hinunter fielen. Zusätzlich gab es noch jede Menge Wasserbomben, die auf keinen Fall beim lateinamerikanischen Karneval fehlen dürfen. Außerdem gab es noch Pulverfarbe mit der wir uns abgeworfen haben. Ich hatte noch ca. vier Tage später lilafarbene Haare.
 
Bolivien und das Zwischenseminar
 
Etwa zur Hälfte der Zeit in Petregal, brachen Maria und ich zum Zwischenseminar nach Cochabamba in Bolivien auf. Ich hatte danach eigentlich vorgehabt gemeinsam mit einem anderen Freiwilligen eine Woche weiter in Bolivien zu reisen, doch das hat leider nicht so geklappt wie ich mir das vorgestellt hatte – dazu aber später mehr. Das Zwischenseminar findet für alle MaZ- und Weltwärts-geförderten Freiwilligen nach einem halben Jahr statt und bietet noch einmal in einem geschützten und angeleiteten Rahmen die Möglichkeit zur Reflexion und des Austausches. In unserem Fall haben sich alle MaZ-Freiwilligen aus Hiltrup und Steyl getroffen, die ihren Einsatz in Lateinamerika machen. Es war wirklich schön die anderen Freiwilligen wieder zu treffen, die ich teilweise noch aus den Vorbereitungsseminaren in Deutschland kannte. Es war interessant von ihren Einsatzstellen und Arbeitsweisen zu hören und von den Erfahrungen, die zum Teil ähnlich, zum Teil aber auch völlig gegensätzlich waren. Wir haben die vergangene Zeit jedes Einzelnen beleuchtet und gemeinsam einige Problemstellungen in den Einsatzstellen bearbeitet. Das war vor allem interessant, da es zu manchen Schwierigkeiten auch Parallelen zur eigenen Situation gab und ich somit Lösungsansätze auch für mich mitnehmen konnte. Außerdem fand ich es hilfreich, dass alle an den Lösungsvorschlägen mitgearbeitet haben. So kamen noch ganze andere Gedankengänge, Blickwinkel und Ideen auf.
Wir haben uns außerdem über gesellschaftliche Phänomene ausgetauscht, die uns alle mittel- oder unmittelbar in unseren Einsatzländern betreffen. Abschließend gab es noch Einzelgespräche, in dem ich noch einmal in einer etwas persönlicheren,
vertraulicheren Umgebung über meine bisherige Zeit sprechen konnte – was mir auf jeden Fall noch einmal richtig gut getan hat und mir neue Impulse und Kraft gegeben hat. An unserem letzten Seminarabend haben wir uns kulturell und kulinarisch auf eine Reise durch die verschiedenen Einsatzländer Argentinien, Ecuador, Paraguay, Brasilien, Peru und Bolivien gemacht.
Jeder hat einen Programmpunkt und/oder etwas zu Essen beigesteuert. Es wurden selbst geschriebene und zeitgenössische Lieder, traditionelle Tänze und Sketche aufgeführt. Maria und ich haben einen Tanz aufgeführt, den wir für eine Feier im Centro de Salud gelernt hatten. Außerdem haben wir noch Chicha vorbereitet, ein typisches Getränk, welches es in Peru fast
zu jedem Mittagessen gibt. Es wird aus violettfarbenem Mais hergestellt: Der Mais wird mit Wasser, Zimt und manchmal auch mit Ananasschalen aufgekocht und später mit Limone und Zucker abgeschmeckt – richtig lecker! Da wir das Glück hatten, dass unser Seminar in Bolivien stattfand und wir somit unseren Nachbarn etwas kennenlernen durften, hatte ich mir vorgenommen eine Woche an das Seminar dran zu hängen und noch etwas mit einem anderem Freiwilligen in Bolivien zu reisen. Aus unseren Plänen in die Uyuni-Salzwüste und nach La Paz zu fahren wurde jedoch leider nichts. Genau zu diesem
Zeitpunkt fingen nämlich die Busfahrer für Langstrecken an zu streiken. Der Streik hörte zwei Tage vor meinem Rückflug auf. Die Zeit verbrachten wir zusammen mit drei anderen gestrandeten Freiwilligen, die sich eigentlich auch vorgenommen hatten zu reisen. So erkundeten wir gemeinsam noch ein wenig Cochabamba und wurden zum Glück von einem Priesterseminar aufgenommen. Später konnten wir dann zumindest den letzten Tag nach Sucre weiter reisen. Dort verbrachten wir
dann den letzten Tag. Da machte ich dann erstmals Erfahrungen mit dem lateinamerikanischen Karneval: Überall fanden Umzüge statt und man musste ständig damit rechnen mit Wasserbomben abgeworfen zu werden. Viele standen auch auf ihren Balkonen oder hinter ihren Fenstern und hatten großen Spaß dabei Kanister voller Wasser auf die vorbeigehenden Passanten zu schütten. Am nächsten Tag ging es dann für mich wieder zurück nach Peru und von Lima noch einmal drei
Wochen zurück nach Trujillo.
 
Wieder (neu) in Lima angekommen
 
Wieder in Lima angekommen, war es echt schön wieder die Freunde und Bekannten wieder zu treffen. Ich hatte die Befürchtung, dass Lima nun wieder neu und fremd für mich ist, aber das hat sich zum Glück nicht bewahrheitet.
Mittlerweile sind es nur noch drei Monate bis ich wieder nach Hause fliege und ich bin wirklich gespannt. Zum einem gibt es hier noch so viel zu entdecken und so viele Pläne und dennoch habe bin ich hier immer mehr im Alltag angekommen, was manchmal auch entspannend ist. Nach den Sommerferien (Ende Februar) habe ich auch neue Englisch-Kurse bekommen. Auch hier merk ich, dass die Arbeit, auch durch die Erfahrung mit den vorherigen Kursen, mittlerweile einfacher geworden ist.
Da unser Spanisch-Kurs vor Weihnachten aufgehört hat, hat sich an zwei Vormittagen eine Lücke ergeben und sich somit ein neues Arbeitsfeld für mich aufgetan. Seit März arbeite ich an zwei Vormittagen in „Tres de Mayo“ neben Huandoy und Cerro Candela das dritte Frauenhaus. Dort arbeite ich im Büro, informiere die Frauen über neue Kurse, schreibe Rechnungen oder arbeite am Computer. Interessant ist dies vor allem, weil ich nun Einblicke in die Arbeitsweise aller Frauenhäuser habe.
Anfang Mai haben wir hier „Dia de la Madre“(Muttertag) gefeiert. Dieser Tag wird hier richtig groß gefeiert - alle Schulen und Arbeitsstellen veranstalten große Feiern. Auch in der Cuna und den Frauenhäusern wurde dieser Tag gefeiert. Mit meinem Englisch-Kurs habe ich ein Lied eingeübt, den Refrain haben wir ins Englische übersetzt. Es wurde ein breites Programm geboten: Eine Frau aus meinem Kurs hat mit ihrer Tochter zusammen Marinera getanzt, ein traditioneller Tanz aus Trujillo. Der Hauptprogrammpunkt war allerdings der Vortrag einer Frau über das Frauen- und Mutterbild, wobei sie zunächst betont hat, welche Arbeit sie wirklich in ihren Familien leisten, sie aber keineswegs dazu verpflichtet sind diese Arbeit allein zu vollbringen, sondern auch Hilfe z. B. im Haushalt von ihren Kindern und Ehemännern einfordern können. Sie hat die Zuhörerinnen außerdem darin bestärkt, dass sie ihren Fähigkeiten, Neigungen und Talenten auch abseits der Familie nachgehen können, wobei das Frauenhaus eine tragende Rolle spielt. Zum Schluss betonte sie noch einmal, welche Bedeutung die Erziehung für das spätere Rollenverständnis von Mann und Frau habe und räumte somit auch mit dem Satz „Echte Jungs weinen nicht!“ auf und appellierte für eine gewaltfreie Erziehung. Nach der Feier im Frauenhaus bin ich mit Maria nach Trujillo aufgebrochen. Dort wollten wir einen Freund von uns, mit dem wir in „Rebini“ zusammengearbeitet haben, zu seinem Geburtstag überraschen. Wir haben Freitagabend den Nachtbus genommen und sind am nächsten Morgen früh in Trujillo angekommen. Da wir natürlich um 7 Uhr morgens viel zu früh waren, sind wir nach Huanchaco gefahren. Huanchaco liegt mit dem Bus eine dreiviertel Stunde entfernt von Trujillo und ist durch lange Strände mit hoher Brandung ein beliebter Surfer- und Backpackermagnet. Dort haben wir während der zwei Monate in Trujillo häufig unsere Wochenenden verbracht. Morgens früh haben wir festgestellt, dass die Urlaubssaison vorbei zu sein schien, was wirklich angenehm war, da wir dadurch den Strand fast für uns hatten. Nachdem wir am Strand gefrühstückt hatten, hatte ich beschlossen noch einmal im Meer zu baden, was, wie sich später herausgestellt hat, ein ziemlicher Fehler war: Im Meer bin ich (vermutlich) auf einen Seeigel getreten und hatte somit fünf schwarze Splitter in meinem Fuß. Am Strand selbst dachte ich, dass es bestimmt keine große Sache sei, einen Splitter konnte ich schließlich selbst entfernen. Da wir aber keine Pinzette dabei hatten und ich ja auch nicht genau wusste um welches Tier es sich handelte, sind wir noch zum Centro de Medico in Huanchaco gegangen, welche
hausärztliche Behandlungen anbieten. Das schlimmste an der einstündigen Behandlung war die Betäubungsspritze, die aber leider nicht richtig gewirkt hat. Nach einer Stunde hatten sie zwar einen Splitter herausholen können, die anderen waren aber noch wie vor drin. Danach sagten sie mir, dass sie nicht die nötigen Instrumente hätten, um alle herauszuholen. Ich wurde weiter an ein Krankenhaus in Trujillo verwiesen. Dort hat die Betäubung (weil ich mich weniger gewehrt habe), zum Glück gewirkt. Leider war das Krankenhaus auch nicht mit solchen Fällen betraut und hatte nicht die nötige Ausrüstung. Später kam noch ein Notfall ins Krankenhaus, somit hatte dann auch niemand mehr Zeit für meinen Fuß und ich wurde mit ein paar Schmerztabletten entlassen. Diese habe ich zum Glück nicht gebraucht, starke Schmerzen hatte ich nicht, aber leider trotzdem noch immer die Splitter im Fuß. Abends sind wir dann unverrichteter Dinge weiter zu Alexis Geburtstag gegangen, der sich total über den Überraschungsbesuch gefreut hat. Dort haben wir auch die anderen vom Rebini-Pogramm wieder getroffen. Es war ein schöner Abend, den nächsten Tag haben wir bei Alexis und seiner Familie verbracht. Sonntagabend sind wir wieder zurück nach Lima gefahren. Am nächsten Morgen sind wir dann direkt zu einem Krankenhaus in Lima gefahren. Dort konnten die Splitter dann endlich mit einer kleinen Operation entfernt werden. Leider eröffnete mir der Arzt danach, dass ich mindestens Woche nicht gehen dürfte. Als die darauf folgende Woche endlich vorbei war und mir der Arzt beim Kontrolltermin sagte, dass ich nun wieder gehen darf war ich wirklich erleichtert. Ich konnte nämlich eine Woche lang nicht wirklich das Haus/Bett verlassen und da ich ja trotzdem genügend Energie gehabt hätte andere Dinge zu machen, war das wirklich nervig, zumal ich auch eine Zeitlang keinen Kontakt zur Außenwelt aufnehmen konnte, weil mein Handy nicht funktioniert hat. Jetzt geht es mir (und meinem Fuß) aber wieder gut. Gestern war ich zum ersten Mal bei einem Gitarrenkurs, bei dem ich mich nun auch angemeldet habe. Die Musikschule bietet ab Juli vielleicht auch Tanzkurse an, an denen ich auch gern teilnehmen würde. Ich freue mich auf die restliche Zeit, die noch vor mir liegt und bin gespannt auf die Zeit, die mich
danach in Deutschland erwartet. Bis dahin sind es nur noch drei Monate. Ende des Monats beginnt der Kurs „Realidad peruana“(Peruanische Realität), an dem Maria und ich und noch zwei andere deutsche Freiwillige teilnehmen. Der Kurs geht einen Monat lang und findet montags bis freitags vormittags statt und bietet nochmals vertiefte Einblicke in die gegenwärtige gesellschaftspolitische Situation Perus. Ich bin sehr gespannt!
Im August kommt meine Familie noch zu Besuch, sodass ich noch einmal die Möglichkeit habe, auch touristische Highlights wie den Macchu Pichu oder den Parque Manu (ein Nationalpark im Dschungel) kennenzulernen. Ich hoffe, es geht euch gut und ihr habt zumindest einen Eindruck gewonnen, wie ich die letzten sechs Monate verlebt habe. Ich freue mich auf eure  Rückmeldungen und Lebenszeichen.
Ich freue mich schon sehr euch wieder zu sehen, bis bald schon!
Viele liebe Grüße sendet euch, Felicitas

 

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