Philippinen: Arik über seinen Einsatz in Cottolengo Filipino

Ich möchte betonen, dass alle geschilderten Informationen subjektiv sind und persönliche Empfindungen wiedergeben. Selbstverständlich handelt es sich dabei also nicht um unumstößliche Fakten, sondern eine einzelne und daher zwangsläufig auch limitierte Sicht der Dinge. Dieses ist meiner Meinung nach aber nicht per se schlecht, denn ohne Wertungen und (oftmals auch fehlerhaften) Beurteilungen könnte Kommunikation wohl kaum stattfinden. Wichtig ist es nur, sich dessen auch bewusst zu machen und eigene Meinungsbilder oft genug zu prüfen, zu hinterfragen und auch zu korrigieren.
 
Nach diesem vielleicht etwas trocken anmutenden Start möchte ich auf mein eigentliches Thema eingehen, einen Freiwilligendienst über neun Monate auf den Philippinen. Die Stelle, in welcher ichüber diesen Zeitraum mitarbeiten darf, ist ein Waisenheimfür geistig und körperlich behinderte Kinder und junge Männer. Es befindet sich relativ nahe zur Hauptstadt Manila und beherbergt 39 Waisen. Das Heim befindet sich auf einem größeren, umzäunten Campus, der neben dem Heim
noch weitere Gebäude (Noviziat, Wohnheime für Novizen, kleine Sportanlagen, Kapelle, kleinen Stall etc.) umfasst und in einer ruhigen und grünen Gegend bei einer Kleinstadt (Montalban, etwas außerhalb des Großraums Metro Manila) liegt.
Generell: Im Waisenheim leben wie beschrieben insgesamt 39 männliche Personen, die sich insgesamt über
eine Alterspanne von 5 bis 29 Jahren verteilen. Es handelt sich also nicht bei allen um „Kinder“ im Sinne der altersspezifischen Definition, dennoch wird in diesem Bericht dieser Begriff der Einfachheit halber für alle verwendet. Die Beeinträchtigungen sind ähnlich wie das Alter breit gestreut, vertreten sind unter anderem das Down-Syndrom, Zerebralparese, Mikrozephalie,
Entwicklungsstörungen, Autismus, Taubheit, Hydrozephalie oder das Apert-Syndrom. Einige auch in Kombination vorkommend, was im Grunde nur verdeutlichen soll, dass alle Kinder individuell komplett unterschiedlich sind und kein Pauschalurteil wie etwa „Behinderung ist gleich Behinderung“ aufkommen könnte. Außerdem möchte ich hierbei auch erwähnen, dass die komplette Gruppe sehr heterogen ist, einige Jungs sind komplett selbstständig, andere ständig auf
Betreuung angewiesen. Hier liegt meiner Meinung nach auch eine der größten Herausforderungen in der Eingewöhnungszeit. Jeden Einzelnen so gut kennen zu lernen, dass die jeweiligen Bedürfnisse erkannt werden können, ist etwas, an dem ich aktuell weiterhin mit großem Interesse arbeite.
 
Hieran schließt sich vielleicht ein weiterer Punkt, der von Interesse sein dürfte: Die Kommunikation. Neben dem Englisch, dass einige Kinder beherrschen, und dem Tagalog (der Lokalsprache und im Grunde auch einer der Amtssprachen der Philippinen), wird viel mittels Zeichensprache und Gestik kommuniziert. Das Ganze empfinde ich als sehr spannend, vor allem
auch die Kommunikation zwischen einigen der Kinder beobachten zu können, wo ich als Außenstehender oft ins Rätseln komme, was wohl überhaupt das Thema sein könnte. Um hier meine Aufgabenbereiche etwas deutlicher zu skizzieren, möchte ich gerne einen exemplarischen Tagesablauf schildern: Der Tag startet gegen 6 Uhr bzw. 6:30 Uhr mit dem Umkleiden und Fertigmachen einiger der Kinder, welche etwas mehr auf Hilfe angewiesen sind. Anschließend gibt es Frühstück und daraufhin
wird vor der hauseigenen Kapelle gemeinsam der Rosenkranz gebetet. Danach folgt ein kleiner Spaziergang und der Start des individuellen Programms, zu dieser Zeit könnte ich beispielsweise mit einigen Kinder in einem separaten Raum mein eigenes Programm erarbeiten. Mittags, gegen 12 Uhr, folgt das Mittagessen und eine Siesta/Mittagspause für die Kinder. Danach könnte, so etwa gegen 15 Uhr, eine Besuchergruppe vorbeikommen, mit den Kinder gemeinsam spielen und eine Merienda (Snack bzw. Zwischenmahlzeit) haben. Im Anschluss etwas TV, dann Abendessen und gegen 19 Uhr wird zu Bett gegangen.
Einige der Punkte sind absichtlich im Konjunktiv formuliert, denn hier haben sich bisher schon oft verschiedene Abläufe ergeben. Das Grundgerüst eines jeden Tages sind im Grunde die Mahlzeiten und die Bettruhe. Auch die erwähnten Besuche finden recht häufig statt, hierzu später noch mehr.
 
Persönlich: Die ersten drei Monate meines MaZ-Freiwilligendienstes habe ich als sehr positiv und lehrreich empfunden. Da ich zu Beginn meiner Zeit noch in einer Gastfamilie gewohnt habe (nun vor Ort im Heim), durfte ich Erfahrungen machen, die mir sonst wohl verwehrt geblieben wären. Gerade Weihnachten und Neujahr waren natürlich außergewöhnlich, wobei sich diese in meiner Gastfamilie im Ablauf nicht stark von aus Deutschland bekannten Bräuchen unterschieden. Beides wurde im Kreise der Familie begangen, es wurde sich untereinander beschenkt und es wurde gemeinsam „geknallert“ (Silvester). Alles in allem wurde sich mir gegenüber unfassbar gastfreundlich und herzlich verhalten, was eine sehr schöne Erfahrung war und mir die
Eingewöhnung sehr leicht fielen ließ. Auch das vor kurzem stattgefundene Zwischenseminar, bei welchem alle deutschen Freiwilligen, die momentan auf den Philippinen arbeiten, zusammenkamen, war eine weitere interessante und wertvolle Erfahrung. Der Austausch ermöglichte nochmals neue Perspektiven, hielt praktische Tipps bereit und sensibilisierten auch dazu, sich in Zukunft noch mit verschiedenen Thematiken auseinander zu setzen, die sich nicht nur mit der Einsatzstelle, sondern den Philippinen im Allgemeinen auseinander setzen. Vor allem möchte ich aber betonen, dass ich im Kreise des Cottolengo Filipino mit einer großen Offenheit und Neugier empfangen wurde. Die Kinder und auch die Mitarbeiter machten und machen es mir leicht, Fuß zu fassen und mich schnell einbringen zu können. Die Tage sind durch den ständigen Kontakt zwar sehr intensiv, dafür aber auch lehr-und abwechslungsreich.
 
Ausblick: Neben einigen persönlichen Zielen, wie etwa der Verbesserung meiner Tagalog-Sprachkenntnisse, der stärkeren Integration und dem Ausbau meines Programms mit den Kindern, ist eines meiner Anliegen stellvertretend meiner Gastfamilie einen Ort wie das Cottolengo näher zu bringen. Zwar ist das Heim meinen Gasteltern und -geschwistern bekannt, doch ist mir
während meines Aufenthaltes dort aufgefallen, dass sie damit eher Abgeschiedenheit und Traurigkeit assoziiert haben. Dieses mag eventuell auch etwas durch das Bild und den Umgang mit Menschen mit Behinderung in einem Großteil der Gesellschaft zu tun haben. Wie ich in Gesprächen mit einigen Menschen, die schon länger in diesem Umfeld tätig sind, erfahren durfte,
wird sich ob eines Familienmitgliedes mit Behinderung oft geschämt und diese wohl auch nicht selten versteckt und geheim gehalten. Auch die persönlichen Familienhintergründe einiger Kinder zeichnen ein solches Bild ab. Hier könnte ich mir vorstellen, dass persönlicher Kontakt zumindest für einen anderen Blickwinkel sorgen und mögliche Berührungsängste nehmen könnte. Die von mir bereits erwähnten Besuche, die sehr regelmäßig stattfinden und die unterschiedlichsten Gruppen umfassen, sind etwa ein Hinweis darauf. Hierbei wird gemeinsam gegessen, gesungen oder getanzt. Ein gemeinsames Miteinander findet statt und bereitet eigentlich immer allen Beteiligten Spaß. An dieses Miteinander möchte ich in meiner verbleibenden Zeit weiter anschließen und bin daher sehr gespannt, welche Perspektiven sich dadurch noch in
Zukunft ergeben werde!

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