Gegen G-20: Diese Welt anders

Gegen G-20: Diese Welt anders

Hier veröffentlichen wir einen Aufruf vom ITP zur Beteiligung an den Protesten gegen den G-20 Gipfel im Juli in Hamburg:

Der Reiche tut Unrecht und er prahlt dazu, und den Armen geschieht Unrecht, und er fleht dazu. Wenn du für ihn brauchbar bist, macht er dich zum Sklaven, und wenn du zusammenbrichst, hält er sich fern von dir. Wenn du etwas hast, so lässt er es sich wohl bei dir sein und macht dich arm und kommt selbst nicht zu schaden.“ (Jesus Sirach 1 3,3-4)

Am 7.-8. Juli 2017 werden die G-20 in Hamburg über den Zustand der Welt reden. Sie werden versuchen ihre drängendsten Probleme zu lösen – oder zumindest beherrschbar zu machen. Sie werden über die Zukunft dieser Welt sprechen. Sprechen wir also auch darüber. Oder besser, sprechen wir das aus, was alle wissen können: DIESE Welt in DIESEN Verhältnissen hat keine Zukunft! Trotz ihrer riesigen technologischen Möglichkeiten, trotz ausreichender Ressourcen und trotz des ungeheuren Schatzes geschichtlicher Erfahrungen stellt sich die Frage, wie lange es noch so weitergehen soll.

Die Verhältnisse, unter denen die meisten Menschen ihr Leben fristen und reproduzieren – nennen wir es Kapitalismus – produzieren Elend: Arbeitslosigkeit, Ungleichheit in ihren unterschiedlichsten Formen und Armut und Tod. Der Kapitalismus hat den Kriegen, den Fluchtursachen, dem Terror und der Unsicherheit nichts entgegen zu setzen. Er überflutet in seinem Wachstumswahn unsere Welt mit Abfall und produziert, wie Papst Franziskus sagt, durch Ausgrenzung auch „menschlichen Abfall“ (Evangelii Gaudium 53).

Und vor allem: Er produziert Alternativlosigkeit und infiziert die Menschen damit: Die einen verteidigen eine globalisierte und vermeintlich offene kapitalistische Welt (wie z.B. die BRD), die anderen setzen ihre Hoffnung auf eine autoritäre, nicht-demokratische Politik (in Brasilien, Russland oder der Türkei auf ganz unterschiedliche Weise).

Viele Menschen auf der ganzen Welt sind von dieser Alternativlosigkeit überzeugt: Sie unterstützen zunehmend rechte, nationalistische und antidemokratische Forderungen, ohne wahr haben zu wollen, dass sie damit ihr Elend verewigen oder nur bedingt ihren geringen Wohlstand gegen die Anderen verteidigen können. Der Kapitalismus und seine Logik frisst inzwischen auch das letzte bisschen Demokratie, das er uns das eine oder andere Mal zugebilligt hat.

Da ist es nicht verwunderlich, wenn auf dem diesjährigen Treffen der G-20 zwar Staats- und Regierungschefs, FinanzministerInnen und Zentralbankchefs, der Internationale Währungsfonds, die Weltbank und OECD über die Probleme der Welt und ihre Zukunft reden. Nicht aber Soziale Bewegungen, Friedensinitiativen, Umweltgruppen. In einem großen Spektakel werden die G-20 uns ihre elendige, hoffnungslose Politik als Ausweg aus den vielfältigen Krisen dieser Welt verkaufen und sich als ProblemlöserInnen inszenieren.

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Als ChristInnen glauben wir, dass wir dieser Hoffnungslosigkeit etwas entgegenzusetzen haben, ja etwas entgegensetzen müssen. Aus unserer Geschichte, aus der biblischen Tradition kennen wir Ausbeutung, Elend und die Ungerechtigkeit, die Reiche und Arme produziert. Aber wir wissen aus diesen Geschichten auch, wie lange Menschen schon daran glauben und darauf hoffen, dass diese Welt auch ganz anders geht. Diese Hoffnung auf eine Welt, im Hier und Jetzt, die grundlegend anders ist, eine Welt der Gerechtigkeit und des Lebens in Fülle für alle erfüllt uns auch heute noch. Unsere Hoffnung speist sich aus dem Mut vieler Menschen, auch heute aufzustehen und diesen Verhältnissen ihren Wunsch nach einer anderen Welt, nach einem anderen Leben entgegenzusetzen.

Deshalb rufen wir als ChristInnen auf, sich an den Protesten gegen das Treffen der G-20 in Hamburg am 7.-8. Juli 201 7 zu beteiligen! Für uns wird DIESE Welt voller Elend nicht das letzte Wort behalten. Wir leben in dieser Welt, und gerade deshalb sind wir zum Widerspruch herausgefordert.

Setzen wir den Götzen des Kapitals, der Verwertungs- und Wachstumslogik unsere Hoffnung auf ein Leben in Fülle für alle entgegen. Setzen wir der trostlosen Langeweile, dem ewigen „Weiter so“ des Kapitalismus unsere Phantasie und Kreativität entgegen! Bauen wir zusammen am „gemeinsamen Haus“, einer Welt, in der viele Welten Platz haben.

Der Aufruf wurde initiiert vom Institut für Theologie und Politik in Münster. Infos zu den Protesten: https://g20hamburg.org/

Wer die Petition unterzeichnen möchte, kann dies noch tun unter: http://www.itpol.de/?p=2602

ErstunterzeichnerInnen:

Prof. Franz J. Hinkelammert / Costa Rica – Pf. em. Norbert Arntz – Dr. Kuno Füssel (Mitglied der KAB) – Günther Salz (Mitglied Bundesvorstand KAB) – Prof. Alberto Moreira / Brasilien – Prof. Jörg Rieger / USA – Thomas Schmidt / Frankfurt – Nancy Cardoso (methodistische Pastorin, MST) / Brasilien – Evaristo Villar (Mitbegründer des spanischen Netzwerkes Redes Cristianas) / Spanien – Prof. em. Dr. Franz Segbers / Marburg – Martin Berchtold (Theologe) – Peter Bernd (Theologe und Pfarrer) – Walter Bochsler (Theologe) – Dr. theol. Urs Eigenmann – Maria Klemm (Theologin) – Dr. theol. Matthys Klemm – Hans-Alberto Nikol (Theologe) – Dr. theol. Xaver Pfister – Dr. theol. Felix Senn – Joseph Thali (Theologe) – Markus Zahno (Theologische Bewegung) – Jacqueline Keune (Theologin, Schweiz) – Gaby Zimmermann (Theologin) – Maranta Valladares/ México – Fernando Mondragón / México – Pilar Puertas – Ricarda Koschick – Melanie Wurst – Dr. theol. Stefan Leibold (pax Christi) – Alexandra Hippchen – Norbert Mette (Prof.i.R., TU Dortmund) – Fokke Bohlsen / Münster – Ursula und Stephan Hannay / Münster – Dr. Dirk Klute / Münster – Prof. Ulrich Duchrow / Heidelberg – Juana Ramirez / Chile – Nidia Arrobo Rodas (Fundación Pueblo Indio del Ecuador) / Ecuador – Héctor Martínez Quevedo / México – Ma. Inés Urrutia (Hermanita de Jesús) / Chile – Alejandro Castillo Morga (CEBs- Oaxaca) / México – Lucía García ( CEBs-México) – Raúl Cervera / México – Carmen Gallegos (rscj) / México – Soila Luna Pineda (Fundación Don Sergio Méndez Arceo) / México – Samuel López Padilla (ofm) / México – José Guadalupe Sanchez Suarez / México – Peter Fendel (Theologe) / Lünen – Dr. Katja Strobel / Frankfurt – Hermann Steinkamp (Prof.i.R., WWU Münster)

Organisationen:

Stiftung Volksverein Mönchengladbach – Pfarrei Dreikönig / Füllinsdorf, Schweiz – Studien zur Befreiungstheologie im «Collège de Brousse»/Schweiz – Basisgruppenbewegung Schweiz (Jacqueline Keune) – Theologische Bewegung für Solidarität und Befreiung (TheBe)/ Schweiz – Kleine Brüder vom Evangelium / Leipzig – Ökumenisches Netz Rhein-Mosel-Saar – Bund der Religiösen Sozialistinnen und Sozialisten Deutschlands e.V. – Ordensleute für den Frieden – Redes cristianas / Spanien – Religiös-Sozialistische Vereinigung der Deutschschweiz RESOS – Leserinitiative Publik-Forum e.V. – Sacerdotes Amigos de Don Sergio (Cuernavaca) / México Círculo Cultural Morelos, A.C. / México – CEB-Derechos Humanos / México – Fundación Don Sergio Méndez Arceo (Cuernavaca) / México – JPIC de la Provincia Franciscana del Santo Evangelio / México – Misioneras Guadalupanas de Cristo Rey (osb) / México – Curas OPP (en opción por los pobres) / Argentina – Observatorio Eclesial / México – Secretariado Social Mexicano / México – Centro de Derechos Humanos “Fray Francisco de Vitoria OP”, A.C. / México – Católicas por el Derecho a Decidir / Colombia – Servicios y Asesoría para la Paz, A.C. / México

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