Peru: Isabels Arbeitsalltag in Lima

Wie in der letzten Mail schon angekündigt, werde ich in diesem Rundbrief mal wieder über meine Arbeit berichten. Hier hat sich nämlich seit dem Anfang einiges verändert.

Morgens bin ich jetzt immer im Gesundheitszentrum, wo ich zwei mal die Woche (einmal auch ganztägig) in der Sprachtherapie mithelfe. Ich bin dort quasi die Praktikantin, kann aber dafür, dass ich nichts bezüglich dieses Berufs gelernt habe, zum Glück ziemlich viel machen! Die Sprachtherapeutin ist total nett und erklärt mir immer, wenn keine Patienten da sind, ihre Techniken und die verschiedenen Sprachschwierigkeiten. Mit den Patienten, die hauptsächlich Kinder und/oder Menschen mit Behinderung sind, mache ich Mundmassagen, Sprach-, Mund- und Zungenübungen. Was natürlich auch zu der Arbeit mit
Kindern gehört, ist Bilder ausdrucken und in die Hefte der Patienten kleben, Lieder singen und Spiele spielen. Oft ist das einfach schön, weil die Kinder super süß sind und Sharon (die Logopädin) und ich das ein oder andere Mal über die Wörter der Kinder schmunzeln müssen. Was ich manchmal sehr traurig zu beobachten finde ist, dass die Kinder oft viel zu unausgeschlafen und auch nicht vorbereitet zur Therapie kommen. Man merkt, dass die Eltern viel zu beschäftigt sind, um sich gut um die Kinder kümmern zu können. Viele Mütter sind auch erst in meinem Alter und haben schon vierjährige Kinder.

Die restlichen drei Morgende verbringe ich mit einer Promotora, das sind die Frauen im Gesundheitszentrum, die Hausbesuche machen und somit präventiv arbeiten. Das heißt, sie schauen sich den Hygienezustand des Hauses an und klären auch über Verhütung auf. Die Arbeit mit der Promotora macht echt Spaß, da ich so endlich auch mal rauskomme und die Möglichkeit habe, die Realität Perus richtig kennenzulernen. Viele Peruaner sind nämlich sehr gut darin, ihre wahre ökonomische Lage hinter teuren Handys, Schmuck und Klamotten zu verstecken. An den Häusern wird einem dann aber oft die traurige Wahrheit
vor Augen geführt: keine Türen, sondern teilweise zerrissene Vorhänge, provisorische Wellblechdächer, ein nicht betonierter Boden (Beton ist hier der normale Boden), verwahrloste Hunde, kaputte Möbel. Zuerst war es mir unangenehm, als Weiße einfach so in die Häuser einzumarschieren; zumal wir immer unangekündigt kommen, damit nicht extra etwas verschleiert wird, sondern wir den Normalzustand des Hauses kennenlernen. Aber ich merke immer wieder, wie unbegründet diese Angst ist, da die Familien total stolz auf das sind, was sie sich bisher Stück für Stück erarbeitet haben. Ich fühle mich immer
herzlich willkommen!

Meine Arbeit an den vier noch überbleibenden Nachmittagen hat sich nicht verändert: Dienstags und mittwochs bin ich immer noch im Frauenhaus im Büro, wo ich den Leuten Informationen über die Kurse gebe, Quittungen schreibe und sonstige Arbeit, die noch so ansteht mache. Diese Arbeit ist je nachdem, ob gerade viel oder wenig los ist, stressig oder ziemlich entspannend. Ich finde es aber immer schön dort, da ich mit anderen peruanischen Freiwilligen zusammen arbeite und mich auch mit meiner Chefin gut verstehe. Außerdem arbeite ich gerne dort, da ich weiß, dass (nicht alle aber einige) Frauen keine Arbeit haben und im Frauenhaus unter anderem kochen, stricken oder die Arbeit mit dem Computer erlernen können. Am Ende erhalten sie ein Zertifikat, mit dem sie Arbeit bekommen und somit ihr eigenes Geld verdienen können.

Ansonsten gebe ich ja nach wie vor Englischunterricht. Dieser hat sich allerdings auch total verändert und zwar insofern, dass ich jetzt neue (insgesamt etwas ältere), weniger und vor allem weniger anstrengende Schüler habe. Mir hat der Englischunterricht immer Spaß gemacht, auch mit meinen anderen Schülern. Aber es ist natürlich schöner, mit Kindern Unterricht zu machen, die auch wirklich lernen wollen und sich nicht wie meine vorherigen 7-jährigen Jungs nur über Zombies unterhalten und auf den Tischen herum klettern wollen. Vielleicht liegt es aber auch ein bisschen an mir, da ich mittlerweile viel besser weiß, wie ich mit den Kindern spielend lernen kann und mir in den letzten Monaten viele Ideen und Methoden eingefallen sind. Was die Unterrichtsgestaltung auch deutlich leichter macht, ist dass die Kinder alle ungefähr auf dem gleichen Niveau sind und auch ein einigermaßen gleiches Lerntempo haben. Ihnen scheint der Unterricht wohl echt Spaß zu machen, da sie am Ende nie gehen wollen und immer fragen, was wir beim nächsten Mal machen werden. So gehe ich immer super zufrieden und stolz nach Hause und bereite sehr gerne die nächste Stunde vor.

Ich hoffe, euch hat der Rundbrief gefallen :) Wie immer freue ich mich über Fragen und Anmerkungen. Bis zum nächsten Rundbrief!

Isabel

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