Geschichte

Gründungsgeschichte

Hubert Linckens (1861-1922)
Gründer der Ordensgemeinschaft der Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu

Hubert Linckens wächst in der holländischen Provinz von Limburg auf. Schon früh hat er den Wunsch, Priester und Missionar zu werden. Bereits im Alter von 14 Jahren tritt er 1875 bei den Missionaren vom Heiligsten Herzen Jesu in Issoudun (Frankreich) ein.

Obwohl er nie beabsichtigt, eine neue Ordensgemeinschaft ins Leben zu rufen, gründet er im Jahre 1900 die Ordensgemeinschaft der "Missionsschwestern vom  Heiligsten Herzen Jesu" (Hiltrup). Der Grund hierfür ist politischer Natur: Seit 1881 sind die Herz-Jesu-Missionare auf einigen Inseln in der Südsee tätig. Diese Region ist drei Jahre später jedoch deutsches Kolonialgebiet. Und dafür wünschen sich die Machthaber in Berlin statt der französischen Brüder und Schwestern deutsche Missionare.

Hubert Linckens wird geschätzt wegen seines Engagements für die Gemeinschaft, seiner Selbstlosigkeit und aufgrund seines tiefen Glaubens. Zugleich verfügt er über ausgezeichnete organisatorische Fähigkeiten: Wann immer Entscheidungen anstehen, handelt er entschlossen und mit Weitblick. Oder, wie er seinen Auftrag formulierte: "Was Gott will! Wie Gott es will! Solange Gott es will!"

Lebensdaten

  • 1861: Geboren in Wylre (Niederlande)
  • 1886: Priesterweihe in 's-Hertogenbosch
  • 1897: Gründung der Norddeutschen Provinz der Missionare vom Heiligsten Herzen Jesu in Hiltrup
  • 1900: Gründung der Ordengemeinschaft der Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu (Hiltrup)
  • 1922: Gestorben in Hiltrup (Deutschland)

Julius Chevalier (1824-1907)
Spiritueller Gründer der Ordensgemeinschaft der Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu (Hiltrup)

Jules Chevalier entstammt einer Handwerkerfamilie. Sein Vater ist Bäcker, er selbst erlernt das Schuhmacherhandwerk. Er leidet an dem in seiner Zeit vorherrschenden Verständnis eines strengen und strafenden Gottes und kann sich nicht damit abfinden. Als ihm in seinem später ermöglichten Theologiestudium sein Professor die Lehre von der Herz-Jesu-Verehrung erklärt, "traf mich diese Lehre mitten ins Herz. Je mehr ich in sie eindrang, umso mehr Schönheit entdeckte ich in ihr." (Cuskelly)

Diese Erfahrung weckt in ihm den Wunsch, Gottes barmherzige Liebe der Welt zu verkünden. Zugleich fällt die Analyse von Julius Chevalier über seine Zeit nüchtern, aber präzise aus: "Zwei Übel richten unsere unglückliche Welt zugrunde: Gleichgültigkeit und Selbstsucht." Mit einem Leben in einer kalten, egoistischen und herzlosen Gesellschaft will sich Chevalier nicht abfinden. Er gründet deshalb im Jahre 1854 in Issoudun bei Bourges die Gemeinschaft der "Missionaires du Sacre Coeur" (Herz-Jesu-Missionare). Aufnahme finden Gleichgesinnte, also Männer mit Herz. Ihr Ziel: Überall auf der Welt durch das eigene Handeln Zeugnis davon abzulegen, dass Gott die Menschen liebt.
Die Gemeinschaft breitet sich in andere (zunächst europäische) Länder aus.

Lebensdaten

  • 1824: Geboren in Richelieu (Frankreich)
  • 1851: Priesterweihe in Bourges
  • 1854: Kaplan in Issoudun
  • 1854: Gründung der Kongregation der Herz Jesu Missionare
  • 1874 Gründung der Kongregation der Töchter Unserer Lieben Frau vom Heiligsten Herzen Jesu
  • 1907: gestorben in lssoudun (Frankreich)

Über Hundert Jahre Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu Hiltrup

Mit ganzem Herzen
 
Im 20. Jahrhundert banden sich weltweit über 3100 Frauen durch die Ablegung der ersten Gelübde an die Gemeinschaft der MSC-Schwestern (Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu, MSC = Missionariae Sacratissimi Cordis). Bei der Begründung dieses Schrittes haben sich im Lauf der Zeit die Schwerpunkte und Ziele gewandelt. Dennoch folgten alle Schwestern dem Gefühl ihrer Berufung zu einem gottgeweihten Leben, das sie mit dem missionarischen Dienst in der Welt verbinden wollten. Indem sie sich einer apostolisch-tätigen Kongregation anschlossen, wählten sie eine Form des Ordenslebens, die ihnen erst seit dem 19. Jahrhundert wirklich offen stand. Denn bis dahin waren Ordensfrauen in der Regel durch kirchenrechtliche Bestimmungen angehalten, ihr Leben ausschließlich in einer Klausur zu verbringen.

Kurze Darstellungen der klösterlichen Tradition und der Herz-Jesu-Verehrung sowie der Spiritualität und des Auftrages der MSC-Schwestern bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert bilden den Einstieg dieser interessanten Missionsdokumentation. Darin eingeschlossen sind auch eine knappe Biografie von Pater Hubert Linckens, der die Schwesterngemeinschaft ins Leben rief, und die Beschreibung der Herz-Jesu-Mission in der Südsee. Breiten Raum nimmt dann die Gründungsphase der Gemeinschaft ein, die mit der Ernennung der ersten Generaloberin aus den eigenen Reihen endet.

Es schließt sich ein Zeitraum von 20 Jahren an, den Wachstum, aber auch zum Teil ernste Krisen prägten. Vor allem der Erste Weltkrieg und seine Folgen stellten eine große Beeinträchtigung für das Wirken der Schwestern dar.

Ende der 20er Jahre begann die Blütezeit der Gemeinschaft, die bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges anhielt. MSC-Schwestern konnten auf allen Erdteilen aktiv werden. Allerdings sahen sich die Schwestern in Deutschland seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten einem Regime gegenüber, das aus ideologischen Gründen die katholische Kirche bekämpfte. Schon früh ging man dabei auch mit gezielten Aktionen gegen Ordensgemeinschaften vor.

Der Zweite Weltkrieg und die ersten Nachkriegsjahre stellten die MSC-Schwestern vor schwere Bewährungsproben. In den folgenden Jahren des Neuanfangs zeigte sich, dass die Gemeinschaft nach diesen Erfahrungen und in Anbetracht der sich wandelnden Welt einer neuen Weichenstellung bedurfte.

Die vom Konzil geforderte zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens bestimmte für fast zwei Jahrzehnte auch das Gemeinschaftsleben und die Apostolatsaufgaben der MSC-Schwestern. Die vielen neuen Ansätze mussten in einem möglichst breiten Dialog der noch zahlreicher gewordenen Ordensprovinzen zusammengefasst werden.
Am Ende der Dokumentation befindet sich ein Anhangsteil mit Auflistungen der General-, Provinz- und Distriktoberinnen sowie Statistiken zu den Mitgliederzahlen. Schließlich ermöglicht eine umfassende bebilderte Zeitleiste, die die Entwicklung der Gemeinschaft in die Kirchen- und in die Weltgeschichte einbettet, dem Leser einen schnellen und anschaulichen Überblick.

Münster, im Jahre 2000  Bernhard Frings

Als Buch erhältlich: Frings, Bernhard Mit ganzem Herzen -Hundert Jahre Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu in Hiltrup (Laumann Druck) ISBN: 978-3-89960-167-1 Gebunden 352 S. - 22,3 x 15,2 cm 19,70 Eur[D]

 

Rahmenthema:
»Anders sein – Außenseiter in der Geschichte«.

Eine Novelle von Marta Menninghaus, 13 Jahre alt: „Möchte mithelfen an der Bekehrung der armen Heidenkinder und dadurch meine eigene Seele retten“

Ein Beitrag im Rahmen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten 2014/15 zum Thema „Anders sein. Außenseiter in der Geschichte“  Über die Mission der Schwestern vom Heiligsten Herzen Jesu von Hiltrup im Papua Neuguinea der Kolonialzeit, eine große Vision, sehr unterschiedliche Weltsichten, vielschichtige Facetten des „Anders seins“ und über eine schreckliche Tragödie.

So begann alles am 13.November 2014

Sehr geehrte Hiltruper Missionsschwestern,
mein Name ist Marta Menninghaus, ich bin 13 Jahre alt und würde mich sehr gerne mit Ihnen treffen. Anlässlich des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten „Anders sein. Außenseiter in der Geschichte“ möchte ich meine Arbeit den Missionsschwestern widmen, die 1904 im Bismarck Archipel ermordet wurden.
Es ist schon über 100 Jahre her, dass sich 10 von euch Ordensschwestern auf den Weg gemacht haben, euren Glauben, Religion und Unterstützung in die Welt zu tragen. Sie starben aufgrund eines tragischen Mordes.
Mit Gelassenheit und Mut haben sie das getan, über diese faszinierende Gelassenheit und diesen heldenhaften Mut möchte ich schreiben.
Es würde mich sehr freuen wenn Sie mir antworten würden.
Mit freundlichen Grüßen,

Marta Menninghaus.

 .... heute hat Marta ganze 63 Seiten geschrieben, ihre Arbeit wurde von der Schule, dem Annette-von-Droste-Hülshoff Gymnasium schon mit eins plus bewertet, die Arbeit war im Rathaus Münster ausgestellt, sie steht auf der Liste der ersten Plätze für den Wettbewerb des Landes Nordrhein Westfalen. Im November steht die Auswahl für den Bundeswettbewerb an.

Eines ist sicher, die Arbeit ist ganz hervorragend und total interessant geschrieben. Wir Missionsschwestern freuen uns sehr über das starke Engagement von Marta, all das Studieren der Briefe und Dokumente aus dem Archiv. Und dann dieses Talent des interessanten Schreibens. Vielen Dank, Marta! Unseren Wettbewerb hast Du schon gewonnen!!

Hier eine Leseprobe, bis die ganze Arbeit veröffentlicht werden kann:

"Der Fleck ist grau.

Der Fleck ist schön. Um diesen Fleck laufen Füße, Füße kreuz und quer durcheinander. Sie sind allesamt verschieden und trotzdem gehören sie hierher. Sie gehören zum Fleck. Falls ihr euch jetzt wundert, euch fragt, warum ich einen Fleck beschreibe, dann hört gut zu. Bleibt und lest diese Geschichte. Denn dieser Fleck ist nichts Weiteres als Asphalt.

Ich weiß nicht genau wie er mir aufgefallen ist, er war einfach da. Ein Stück Asphalt, ein Fleck, auf dem keine Menschen laufen. In Anbetracht der Tatsache, dass ich auf einem stark belebten Bahnhof stehe ist es schon merkwürdig, denn es scheint so als würden die Menschen den Fleck meiden. Damit ihr euch diesen Fleck besser vorstellen könnt, versuche ich ihn jetzt zu beschreiben. Wobei es gar nicht mal viel zu beschreiben gibt. Der Fleck ist in etwa so groß wie ein Fahrradreifen. Entschuldigt die ungenaue Bezeichnung, aber wenn ihr versuchen müsstet einen Fleck zu beschreiben, würdet ihr mich verstehen. Außerdem ist der Fleck rund, aber nicht kreisrund, nicht gleichmäßig rund. Er ist kein Kreis sondern eben ein Fleck.

„Anna! Schwester Anna!!“ Eine Stimme weckt mich aus meinen Tagträumen und ich werde brutal in die Gegenwart zurückgeschleudert. Ich halte Ausschau nach der Person, die mich gerufen hat und sehe Schwester Agnes. „Was gibt es?“ , frage ich sie, noch immer etwas benommen. „Sie hat schon wieder bis zum Hals in ihren Träumen gesteckt, was machen wir nur mit ihr?“ Schwester Agnes blickt zu der Frau die neben ihr steht. Auch sie ist in einen langen schwarzen Mantel gehüllt. Schwester Juliana. „Das hab ich mich auch schon gefragt. Möge der Herr uns helfen“, sagte sie nun und schaute belustigt zu Schwester Agnes. In ihrer Stimme schwingt keine Missgunst mit, sie machte nur Spaß. Trotzdem schaue ich sie gespielt empört an. Die beiden müssen lachen. Ich mag Schwester Agnes und Schwester Juliana. Ich kann mich gut mit ihnen unterhalten, eine Verbindung eingehen. Das mag jetzt vielleicht komisch klingen, aber das ist etwas besonderes für mich. Sie sind etwas Besonderes. „Der Zug fährt gleich ab, beeilt euch lieber. Salzburg lässt man nicht ungestraft warten“, sagt Agnes jetzt. Ein Schauer durchfährt mich. Vorfreude. Abenteuerlust. Oder doch eher Nervosität? Unser Kloster hat uns Musik geschickt, sodass das laute und fröhliche Geräusch von Trompeten zu vernehmen ist. Die Musik gibt mir Entschlossenheit, ich atme einmal tief durch. Dann folge ich Schwester Agnes und Schwester Juliana, welche auf die Anderen zusteuern. Die „Anderen“ sind Schwester Theresia, Schwester Elisabeth, Schwester Clara und Schwester Franziska, unsere von allen geliebte Oberin. Und dann ist da noch Pater Theodor Lotter, unser Direktor des Scholastikats, er betreut die Reise nach Salzburg. Wir stehen in einem Kreis zusammen, unser Gepäck neben uns, alles ist bereit. Von unseren Familien haben wir uns bereits verabschiedet. Ich blicke in die Runde und erkenne, dass sich viele meiner Gefühle in den Augen meiner Mitschwestern wiederspiegeln. Wohin führt diese Reise? „Seid ihr bereit?“, fragt Pater Theodor in die Runde.

Und dann steigen wir in den Zug ein. Noch einmal gucke ich zurück. Zurück zum Fleck. Er ist noch immer da, grau und schön. Und umso weiter wir fahren, desto kleiner wird er."