Mission und Spiritualität

MISSION
Durch die Gelübde verpflichten wir Missionsschwestern uns zu verantwortlicher Mitarbeit am Auftrag der Ordensgemeinschaft.
"Wie Jesus Christus durch den Vater in die Welt gesandt wurde, so sind wir durch die Kirche gesandt, den Menschen zu dienen, besonders jenen, die leiden und in Not sind oder deren Rechte missachtet werden.
Durch unsere Güte sollen sie erfahren, dass Gott unser Vater ist, der alle Menschen liebt, und der jedem Leben Sinn gibt.

Dieser Auftrag erfordert, nach den "Übeln der Zeit" (J. Chevalier) und ihren Ursachen zu fragen. Im Licht des Evangeliums suchen wir Antworten und haben den Mut,
die Herausforderungen anzunehmen, die in ihnen enthalten sind.

Die Tradition unserer Ordensgemeinschaft und der Ruf der Kirche weisen uns den Weg, Gottes Liebe zu verkünden durch unseren Dienst bei denen,
die Christus und seine Kirche noch nicht kennen, im Gespräch mit denen, die den Glauben verloren haben, und im Bemühen um die Stärkung des Glaubens
der mit uns Glaubenden." (MSC-Konstititionen 2014)

Was bedeutet Mission  https://youtu.be/ke9ueg1jBso

Damals

Einfach ist es bestimmt für niemanden, die Heimat zu verlassen und in fremde Länder aufzubrechen. Und für eine Frau um die Wende zum 20. Jahrhundert erst recht nicht. Denn Frauen sind zu dieser Zeit von einem selbstbestimmten Leben noch weit entfernt: Ihr Wirkungskreis ist in der Regel auf Küche und Kinder beschränkt. Vom öffentlichen Vereinsleben sind sie noch ausgeschlossen, das Wahlrecht bekommen sie erst 1918, und auch den uneingeschränkten Zugang zu Universitäten erhalten sie erst nach und nach.

Es gehören also schon eine Portion Mut, eine Menge Neugier und etwas Abenteuerlust dazu, dem Evangelium zu folgen,

„Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ (Mt 28,18-20),

dem vorbestimmten Lebensentwurf als Ehefrau und Mutter eine Absage zu erteilen und in einen missionarischen Orden einzutreten. Um so erstaunlicher ist es, dass sich viele Frauen von dem neuen Orden in Hiltrup angesprochen fühlen. Denn ihnen allen muss bewusst gewesen sein, dass der Aufbruch in die Fremde mit Entbehrungen einhergehen wird: mit der Trennung von der Heimat, die man möglicherweise nie mehr wiedersehen wird; mit einem Leben in einer gänzlich unbekannten Kultur; und mit klimatischen Bedingungen, die die Gesundheit arg strapazieren.

Dennoch sind diese mutigen Frauen, die als erste Missionarinnen von Hiltrup aus in die Südsee aufbrechen, auch Kinder ihrer Zeit. Das heißt: Viele von ihnen sind überzeugt, dass sie gesandt werden, um die Ungläubigen zu bekehren und den unzivilisierten Heiden das Licht der Welt zu bringen.

Heute

Kaum ein Begriff hat einen so radikalen Bedeutungswandel erfahren wie das Wort Mission. Heute verstehen wir Mission nicht mehr als Exportartikel, den wir unaufgefordert in bestimmte „unterentwickelte“ Gebiete senden, um dort den Ungläubigen unsere westliche Kultur zu bringen und sie zu unserem Glauben als dem einzig wahren zu bekehren.

Mission in unserem gegenwärtigen Verständnis respektiert nicht nur das Anderssein des Anderen, sondern lässt sich von ihm auch bereichern. Mission ist für uns heute nicht mehr eine Frage der Geographie, sondern sie ist Kontinente umspannend und findet überall dort statt, wo Menschen durch ihr Leben ein Glaubenszeugnis ablegen – offen, ehrlich, authentisch und lernbereit. Das kann in Namibia, Korea oder Australien sein ebenso wie in Hiltrup, Duisburg und Oeventrop.

Um die Gedanken und Herzen der Menschen zu erreichen, müssen wir ihre Sprache sprechen, ihre soziale, kulturelle, religiöse und ökonomische Wirklichkeit kennen und verstehen. So wie es damals Mut erforderte, in fremde Länder aufzubrechen, so brauchen wir auch heute Mut, uns fremden Lebenswirklichkeiten anzunähern und uns auf sie einzulassen. Das kann die Frau sein, die Opfer von Menschenhandel wurde und nun als Prostituierte anschaffen muss. Das kann die muslimische Familie aus dem sozialen Brennpunkt sein. Das kann der gebrechliche und kranke Mensch in unseren Altenheimen und Hospitälern sein. Und das kann der Nachbar von nebenan sein.

Heute wie damals gilt: Wir möchten in unserem Denken, Fühlen und Handeln und in allen Begegnungen mit den Menschen einen Glauben bezeugen, der etwas davon aufscheinen lässt, was das Evangelium für uns ist: eine inspirierende, befreiende und verändernde Kraft.

 

Spiritualität

„Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und geglaubt: Gott ist Liebe.
Wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.“
(1.Joh 4,16)

Diese Erfahrung steht am Beginn einer Berufung zur Missionsschwester vom Heiligsten Herzen Jesu.

Das Herz als Symbol der Liebe wird von allen Menschen verstanden. In Jesus Christus wurde erfahrbar, dass Gott ein Herz für uns Menschen hat.

Nicht festgelegt auf bestimmte Berufe oder Tätigkeiten hat dieser Auftrag viele Gesichter, die sich je nach Land, Zeit und gesellschaftlichem Kontext unterscheiden und verändern.

Orientierung und Kraftquelle auf dem spirituellen `Weg des Herzens´ sind gemeinsame und persönliche Vollzüge des geistlichen Lebens:

  • Teilnahme am Stundengebet der Kirche (Psalmengebet)
  • Die Feier der Eucharistie
  • Studium und Betrachtung der Heiligen Schrift
  • Zeiten der stillen Anbetung und der Meditation
  • Das kontemplative Gebet der Versenkung (Herzensgebet)
  • Zeiten spiritueller Erneuerung (Exerzitien)

Als Frauen unserer Zeit und Gesellschaft sind wir ständig auf dem Weg der Einübung in die Haltungen Jesu, der mit den Menschen seiner Zeit lebte, ihnen neue Lebensmöglichkeiten schenkte und ihnen die Liebe Gottes durch Wort und Tat verkündigte; gemäß seinem Wort:

„Ich bin gekommen, damit sie Leben haben, Leben in Fülle.“ (Joh 10, 10)